Innovative Ideen für eine nachhaltige Gülleverwertung ist und bleibt das Thema der nächsten Jahre, gerade für ländliche Gebiete mit vielen Tierhaltungsbetrieben. Dabei sind Lösungen, die Aspekte einer nachhaltigen Nutzung unter Berücksichtigung unserer Umwelt und dazu auch noch wirtschaftlich praktikabel sind, nicht leicht zu finden.

„Unsere Landwirte der Genossenschaft wollen gut und umweltverträglich wirtschaften. Das ist in ihrem ureigenen Interesse, denn nur von gesunder Erde kann auch die nächste Generation leben“, so Bernd Wolfs, geschäftsführender Vorstand der Raiffeisen Schwalm-Nette, Mitglied im Agrobusiness Niederrhein e.V. und Gastgeber des Innovationsforums. „Landwirtschaftliche Betriebe entwickeln ihre Produktionsmethoden kontinuierlich weiter, um am Markt bestehen zu können. Deshalb sind neue Ideen für die Gülleverwertung, die eine höhere Wertschöpfung bringen, willkommen und wichtig“, so Wolfs weiter.

An einer möglichen Lösung arbeitet seit einigen Jahren Hanspeter Maas, geschäftsführender Vorstand der Agri V eG aus Sonsbeck. In seinem Konzept, dass über die Terragie GmbH, gegründet von Agri V und der Agravis, weiterentwickelt wird, werden Gülle und Gärreste aus der Biogasanlage komplett aufbereitet. Herzstück des neuen Verfahrens ist ein sogenannter „Absetzer“, der nach einer Separation von Gülle und Gärresten in Fest- und Flüssigstoffen, die verbliebene sogenannte Dünnphase in Nährwasser und restliche Feststoffe absetzen kann. Die verbliebenen Feststoffe können als Blumenerde verwendet werden. Das Nährwasser kann in einem Gewächshaus für die Produktion von Eiweißpflanzen wie z.B. Wasserlinsen eingesetzt werden. Diese Pflanzen wachsen am besten bei einer Wärme von 30 Grad. Dafür kann wiederum die Abwärme aus der Biogasanlage genutzt werden. „Klingt einfach, ist es aber nicht. Um eine gleichbleibende Qualität und Zusammensetzung von Blumenerde und Nährlösung zu erreichen, ist es wichtig zu wissen, was von wem in die Biogasanlage eingespeist wird“, so Maas.

Neben der Verarbeitung sind auch die Transportwege von Gärresten und Gülle zu betrachten. Damit beschäftigt sich Prof. Dr. Thomas Decker, Studienleiter Logistik der Hochschule Neuss. Die Straße zur Abfuhr der Gülle per LKW wird bis Ende des Jahrzehnts an ihre Grenzen stoßen, so dass Wasserwege zur Abfuhr aus den Überschussregionen hin zu den Bedarfsregionen, sprich von West nach Ost, eine Alternative wäre. Die Binnenschifffahrt verfügt über freie Kapazitäten. Ausgehend von den Häfen des Mittellandkanals könnte der Abtransport der Gülle vom Niederrhein mit Schiffen zu den Abnahmebetrieben der Hildesheimer und der Magdeburger Börde erfolgen.

Auch bei diesem Konzept gibt es Schwierigkeiten zu überwinden. Die Befüllung und Leerung der Tanker braucht viel Zeit. Ein Tag benötigen Pumpen, bis ein Tankschiff voll beladen ist. Gülle für den Rückweg gibt es nicht, für eine andere Ladung wäre eine aufwendige Reinigung notwendig. Beides ist für Logistiker derzeit nicht rentabel.

„Man sieht bei der Diskussion, Agrobusiness Niederrhein e.V. hat hier ein aktuelles Thema mit der Gülleverwertung aufgegriffen, bei dem sehr unterschiedliche Ansätze verfolgt werden. Mit über 20 Teilnehmern war das Forum gut besucht. Das zeigt, dass sich Betriebe auch an einem Freitagnachmittag Zeit für innovative Themen nehmen,“ so Christian Wagner, Vorsitzender Agrobusiness Niederrhein e.V.

v.l.n.r: Bernd Wolfs, Claudia Wendt, Hanspeter Maas,
Eva Kähler-Theuerkauf, Prof. Dr. Thomas Decker,  Christian Wagner

Foto: Agrobusiness Niederrhein

 

 

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