Der Niederrhein ist geprägt vom Gartenbau. Der Wettbewerb ist groß und die Geschwindigkeit, mit der neue Innovationen und technische Entwicklungen auf den Markt kommen, beeindruckend. Ein junger Unternehmer aus Geldern hat das Potenzial der Branche erkannt und sich mit 24Jahren nicht nur erfolgreich in die Selbstständigkeit gewagt, sondern auch sein Hobby zum Beruf gemacht. Mit seinem Betrieb „Drohnen Agrar Service“ war Sebastian Hylewicz im Jahr 2023 der erste Anbieter am Niederrhein und der erste in ganz NRW, der Gewächshäuser mithilfe von Drohnen schattierte – eine Technik, die aufgrund ihrer Vorteile heute kaum noch wegzudenken ist. Seit Kurzem ist der „Drohnen Agrar Service“ Mitglied im Netzwerk Agrobusiness Niederrhein, um sein berufliches Netzwerk zu erweitern und Innovationen in der Region aktiv zu unterstützen. Der erste Austausch mit Dr. Anke Schirocki und Marcus Trappe von Agrobusiness Niederrhein brachten bereits Anknüpfungspunkte im aktuellen Interregprojekt „Agropole Innovates“ und in zukünftigen Projektaktivitäten.
Schon als Kind war Sebastian von der Luftfahrt fasziniert. Als die ersten Drohnen auf den Markt kamen, war das Interesse sofort geweckt. Mit 14 Jahren sparte er für seine erste eigene Drohne. „Technisch war diese Drohne mit heutigen Modellen gar nicht mehr zu vergleichen“, erinnert er sich – die Freude damals war jedoch enorm. Die Weiterentwicklung der Drohnentechnologie schritt rasant voran, und spätestens mit dem Erscheinen der ersten großen Agrardrohnen im Jahr 2021 entstand die Idee, sich selbstständig zu machen. Wegen strenger Auflagen ließ sich das jedoch zunächst nicht realisieren. Als 2023 eine Gesetzesänderung kam, nutzte Sebastian sofort die Chance: Mit gerade einmal 24 Jahren investierte er in eine professionelle Drohne, ein großes Zugfahrzeug sowie einen Anhänger und begann neben seinem Vollzeitjob Drohnen-Dienstleistungen anzubieten.
Ursprünglich wollte er in der Landwirtschaft Fuß fassen, doch schnell zeigte sich, dass der Gartenbau in der Region deutlich präsenter ist – und dass die Drohnenschattierung eine echte Marktlücke darstellte. „Pflanzenschutz mit Drohnen auszubringen ist nur in engen gesetzlichen Grenzen in Steillagen im Weinbau möglich. Die Zwischensaat ist dafür besonders interessant, weil sie sogar dann ausgesät werden kann, wenn die Hauptkultur fast Erntebereit ist – und das, ohne durch Maschinenverkehr und Fahrspuren Schäden zu verursachen. Da die Nachfrage hier aber noch gering ist, bestehen aktuell rund 90 Prozent meiner Aufträge aus Gewächshausschattierungen und -abschattierungen“, erklärt er.
Wenn im Sommer die Sonne scheint, heizen sich Gewächshäuser schnell auf – das kann zu Hitzeschäden und Verbrennungen an Pflanzen führen. Viele Betriebe nutzen daher bewegliche Schattierungsgewebe, welche im Innenbereich des Gewächshauses angebracht sind. Diese halten die Hitze jedoch nicht davon ab, ins Gewächshaus einzudringen. Aus diesem Grund ist häufig eine zusätzliche Schattierung mit Farbe auf dem Dach nötig. Früher mussten diese Arbeiten von Hand erledigt werden: zeitaufwendig, körperlich belastend und sehr gefährlich – schließlich sind Gewächshäuser mittlerweile oft sechs bis sieben Meter hoch und aus Glas. Heute übernimmt die Drohne diese Aufgabe sicherer und deutlich gleichmäßiger. „So präzise wie eine Drohne kann kein Mensch schattieren. Sie fliegt in konstanter Höhe und Geschwindigkeit und vernebelt die Farbe optimal – bei windstillen Bedingungen ist das Ergebnis perfekt“, erklärt Sebastian.

Hylewicz arbeitet mit fünf verschiedenen Schattierungsfarben des niederländischen Herstellers ReduSystem. Alle Farben haben unterschiedliche Eigenschaften – manche schattieren stärker, andere lassen mehr Licht durch. Sie filtern verschiedene Strahlenarten, sodass beispielsweise Wärme reduziert, aber genügend Licht für die Kultur erhalten bleibt. So findet sich für jeden Betrieb und jede Kultur die passende Pigmentierung. Außerdem sind alle Schattiermittel biologisch abbaubar und für den ökologischen Landbau geeignet.
Die Schattierungssaison beginnt Ende Februar und endet im August. Danach lässt sich die aufgetragene Farbe genauso einfach wieder entfernen: Die Drohne bringt einen speziellen Reiniger auf, der die Pigmente löst, der nächste Regen spült das Dach dann sauber. Das Verfahren funktioniert bei allen Gewächshausarten – egal ob Glas oder Folie.
Die Agrardrohne ist akkubetrieben, hat eine Spannweite von 3,50 Metern und ein Eigengewicht von 110 Kilogramm. Ihr Tank fasst bis zu 40 Liter. Die Drohne berechnet automatisch die erforderliche Ausbringmenge und fliegt anschließend selbstständig. „Der größte Aufwand an meinem Job ist tatsächlich der Papierkram“, erzählt Sebastian. „Jeder Flug muss exakt dokumentiert werden. Außerdem muss ich meine Flugerlaubnis alle drei Jahre erneuern. Dank einer Speziellen Flugerlaubnis des Luftfahrtbundesamts kann ich in Deutschland aber bereits flexibler fliegen.“ Lange war das zehn Kilometer große Sperrgebiet rund um den Flughafen Weeze ein Hindernis, doch mittlerweile gibt es auch hier eine Sondergenehmigung – sehr zur Freude der dort ansässigen Landwirte und Gartenbaubetriebe.
Agrobusiness Niederrhein freut sich sehr über das neue Mitglied. Der Netzwerkverein ist stets an innovativen Themen der Region interessiert und wird im kommenden Interreg‑Projekt „TreeDigital“ mit Drohnen arbeiten, um Krankheiten an Bäumen frühzeitig zu erkennen. Da Sebastian bereits an ähnlichen Projekten beteiligt war, wird es hier sicherlich spannende Anknüpfungspunkte geben.


Finanzierung des Projekts Agropole Innovates
Das Projekt Agropole Innovates hat noch eine Laufzeit bis einschließlich August 2026 und wird neben den Eigenanteilen der Projektpartner im Rahmen des Interreg VI-Programms Deutschland-Nederland durchgeführt und mit 2,025 Mio. Euro durch die Europäische Union, das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW (MWIKE NRW), das Niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung (MB Niedersachsen), das niederländische Wirtschaftsministerium (EZK) sowie die Provinz Limburg mitfinanziert.

Het project Agropole Innovates
Het project wordt uitgevoerd in het kader van het Interreg VI-programma Deutschland-Nederland en met 2,025 miljoen euro medegefinancierd door de Europese Unie, het Ministerie van Economische Zaken, de Provincie Limburg en de Duitse ministeries MWIKE NRW en MB Niedersachsen.