Von Maschinenbau zu Smart Farming: AI.Land setzt neue Maßstäbe in der Agrartechnik
Auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Krefeld hat sich ein Unternehmen angesiedelt, das sich als Innovationstreiber in der Agrartechnik etablieren konnte. Gründer Dr. Josef Franko verfolgte bei der Gründung im Jahr 2020 das Ziel, Landwirtschaft effizienter, ressourcenschonender und zukunftsfähiger zu gestalten. Heute entwickelt, baut und vertreibt AI.Land – ein Unternehmen der Landhouz GmbH – ganzheitliche Automatisierungslösungen für den Agrarbereich und ist damit auch aktives Mitglied im Netzwerkverein Agrobusiness Niederrhein.
Im Rahmen der Strukturwandelsafari luden die Zukunftsagentur Rheinisches Revier und Agrobusiness Niederrhein nun zu einer Veranstaltung nach Krefeld ein, die spannende Einblicke in die Zukunft der Landwirtschaft bot.
Robotik und Automatisierung gewinnen angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels stark an Bedeutung. „Betriebe sind heute mehr denn je auf solche Systeme angewiesen, um fehlende Saisonarbeitskräfte zu ersetzen“, erklärt Franko. „Humanoide Robotik mit nahezu menschlichen Händen bietet die Chance, komplexe Arbeitsprozesse auszuführen.“ Die Entwicklung dieser Greifsysteme schreitet rasant voran – sie werden leistungsfähiger und gleichzeitig kostengünstiger. AI.Land integriert diese Technologien in seine Roboter, doch Hardware allein genügt nicht: Die Systeme müssen Arbeitsabläufe zunächst erlernen. Dies geschieht über VR-Brillen, die menschliche Handbewegungen erfassen und die KI trainieren. Die Systeme nutzen maschinelle Lernmethoden in Bildverarbeitung und Prozessteuerung, was eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsqualität ermöglicht und den Weg zu einer effizienteren und ökologischeren Landwirtschaft ebnet. „Ein Roboter hat kein Problem damit, sich die Hände schmutzig zu machen – und er braucht keine Pause“, ergänzt Franko.
Nach der theoretischen Einführung erhielten die Besucher im Demonstrationsraum praktische Einblicke. Dort wurden verschiedene Anwendungen der robotischen Hände gezeigt: Eine Hand ahmte menschliche Bewegungen mit beeindruckender Präzision nach, eine weitere ließ sich über einen Greifer fernsteuern, und eine dritte war am Aushängeschild von AI.Land, dem „DAVEGI“, im Einsatz. Hier zog der Roboter Porree aus einer Kiste und legte ihn in eine andere – nur ein Vorgeschmack auf seine Fähigkeiten.
Im Außenbereich konnten die Gäste den DAVEGI noch genauer begutachten. Das System ist fest auf einer Schiene installiert und erkennt, pflegt und erntet jede Pflanze individuell – ähnlich wie ein Mensch in seinem Gemüsegarten. Auf Freilandflächen entsteht so ein Beet in Mischkultur, dessen Ernte direkt zu fertigen Gemüsekisten zusammengestellt und ausgeliefert werden kann. Der DAVEGI ist das erste vollautonome Agrarsystem, das den gesamten Kultivierungsprozess abdeckt: von Aussaat, Bewässerung und Nährstoffversorgung über Unkrautbekämpfung bis hin zu Ernte, Verpackung und anschließender Bodenbearbeitung. Durch die Mischkultur und die Vielseitigkeit des Roboters wird die Wertschöpfungskette erheblich verkürzt – was zu frischerem Gemüse für die Verbraucher führt. Noch befindet sich das System in der Weiterentwicklung, doch schon bald soll der solarbetriebene, energieautarke DAVEGI marktreif sein.
Die Landhouz GmbH arbeitet darüber hinaus an weiteren Projekten, darunter Auftragsforschungen, Traktoranbaugeräte für Saat- und Spritzanwendungen sowie die Erfassung und Auswertung von Bilddaten. Ein weiteres zentrales Vorhaben ist die neu gegründete ORB gGmbH. Lucas Dahl stellte die „Open Research Base“ vor, eine gemeinnützige Organisation, die offene Innovationen in der Landwirtschaft durch Forschung und Entwicklung vorantreibt. Ziel der ORB gGmbH ist es, gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten, Unternehmen, Hochschulen und Instituten praxisrelevante Lösungen zu entwickeln, um Digitalisierung und Automatisierung nachhaltig zu fördern.
Der Open-Core-Ansatz stellt sicher, dass zentrale Entwicklungsergebnisse offen zugänglich sind und die gewonnenen Erkenntnisse der Gemeinschaft zugutekommen. Dieser offene Ansatz lebt von der Beteiligung der Landwirtinnen und Landwirte: Mit wachsender Mitwirkung und Nutzung entwickelt sich das System kontinuierlich und zunehmend schneller weiter. „Unser Anspruch ist ein ganzheitliches und intelligentes Farm-Management, das insbesondere auch kleinen Betrieben und Start-ups den Zugang zu modernen, wirtschaftlichen und zukunftsfähigen Technologien ermöglicht“, erläutert Dahl.
Zum Abschluss der Veranstaltung zeigten sich die Besucher beeindruckt. Die zahlreichen Impulse des Tages boten reichlich Stoff für weitere Gespräche. Im Austausch zwischen Gästen und dem Team von AI.Land entstanden bereits neue Ideen für technische Weiterentwicklungen und mögliche Einsatzfelder in anderen Bereichen der Landwirtschaft. Auch die Organisatoren zogen ein positives Fazit: „Wir sind jedes Mal begeistert, wenn wir hier sind, und freuen uns zu sehen, wie dieses ursprünglich kleine Start-up stetig wächst und Menschen inspiriert. Es ist großartig, ein so innovatives Unternehmen wie AI.Land in unserem Netzwerk zu haben“, betont Dr. Anke Schirocki, Geschäftsführerin des Agrobusiness Niederrhein.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Strukturwandelsafari erhielten praxisnahe Einblicke in innovative Agrarrobotik und das vollautonome System „DaVegi“.

Josef Franko erläuterte im Rahmen der Einführung die neuesten Entwicklungen in Robotik, KI-gestützter Prozesssteuerung und autonomen Agrarsystemen.
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Der vollautonome „DAVEGI“ im Demonstrationsbeet: Das System erkennt Pflanzen, pflegt diese und führt präzise Arbeitsschritte aus.
Fotos: Agrobusiness Niederrhein e.V.