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Foto: Gus van der Feltz, BluePlasma
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Unternehmen aus der Grenzregion stellen sich vor

Blue Plasma

Unser Agropole-Projektpartner Brightlands Campus Greenport Venlo sprach im Interview mit Gus van der Feltz vom niederländischen Unternehmen Blue Plasma über die Funktion und Anwendungsgebiete von Plasma.

Plasma ist die Zukunft

Die Sonne besteht daraus, ein Blitz enthält es und Leuchtstoffröhren können nicht darauf verzichten – Plasma! Aber was ist das und wie funktioniert es? Gus van der Feltz ist Geschäftsführer von Blue Plasma in Venlo, ein Ableger von Blue Engineering. Er ist Experte für Plasma und sieht zahlreiche Möglichkeiten für dessen Einsatz, unter anderem in Landwirtschaft und Gartenbau.

Was ist Plasma überhaupt?

„Plasma ist ein natürliches Phänomen, das auftritt, wenn sich Energie durch die Luft bewegt. Das klingt kompliziert, aber jeder kennt Plasma. Nehmen Sie eine Leuchtstoffröhre: Wenn sie aufleuchtet, ist dies die Plasmaphase. Oder ein Blitz, ein weiteres bekanntes Phänomen, ist ein Plasma.“

Was nützt Plasma der Agrar- und Lebensmittelbranche?

„In der Landwirtschaft und im Gartenbau suchen Unternehmen ständig nach umweltfreundlichen Methoden, um zum Beispiel Pflanzenkrankheiten zu verhindern und zu bekämpfen. Die Zahl der zugelassenen chemischen Wirkstoffe nimmt rapide ab und der Ruf nach nachhaltigem Pflanzenschutz wächst. Plasma kann eine Lösung bieten und Chemie in der Landwirtschaft und im Gartenbau ersetzen.“

Wie funktioniert bzw. wirkt Plasma?

„Plasma eignet sich ideal zur Desinfektion, aber auch zur Anregung von Wachstum, Keimung und Heilung von Pflanzen. Es desinfiziert Wasser schonend und gründlich: Es tötet Bakterien, Viren und Pilze ohne Chemie ab. Wenn man Wasser mit Plasma behandelt, entsteht auch Nitrat: ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen. Das Wasser wird so zu einer Art Dünger, nur Plasma wirkt viel besser und ist umweltfreundlich. Wir nutzen ein natürliches und intelligentes Verfahren, das ohne Zusatz von Chemikalien funktioniert.“

Klingt einfach, aber ist es das auch?

„Plasma ist ein unvorhersehbarer Prozess, der stark von Bedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt. Die Reaktion ist nicht immer gleich. Blue Plasma hat ein Kontrollsystem entwickelt, um die Wirkung des Plasmas zu stabilisieren. Bei dieser Technik ist das Ergebnis vorhersehbar und dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Anwendung von Plasma in der Praxis. Physik und Regeltechnik pur!“

Wie stellt man eigentlich Plasma her?

„Wir verwenden plasmaaktiviertes Wasser und Wasserdampf. Das machen wir aus nur drei Zutaten: Wasser, Luft und Strom. Wenn Sie Wasser mit Plasma behandeln, tun Sie im Grunde das Gleiche wie Mutter Natur bei einem Gewitter: Sie bringen die Luft im Wasser - künstlich - in die Plasmaphase. Sie können Plasmawasser auch problemlos aufbewahren und bei Bedarf verwenden.“

Gibt es weitere Anwendungsgebiete neben Landwirtschaft und Gartenbau?

„Plasma hat unendlich viele Anwendungen, aber wir konzentrieren uns hauptsächlich auf das Agrobusiness und die Lebensmittelverarbeitung. Wir glauben, dass wir Plasma in diesen Sektoren zur sauberen, nachhaltigen und sicheren Desinfektion verwenden können. Neben den Anwendungen mit Pflanzen beschäftigen wir uns beispielsweise auch mit der Desinfektion von Eiern in Brütereien. Um zu verhindern, dass Küken beim Schlüpfen mit Keimen und Bakterien in Kontakt kommen, die sich auf der Eierschale befinden, werden Eier zuvor in der Regel mit Chemikalien desinfiziert. Durch die Anwendung von Plasma könnte in Zukunft auf Chemikalien verzichtet werde. In der Schweinehaltung führen wir Versuche zum Einsatz von Plasma zur Geruchs- und Staubreduktion in den Ställen durch. Aber wir sind auch in anderen Branchen unterwegs: Wir prüfen, ob wir zum Beispiel Büros und Labore mit Plasma reinigen können und – ganz aktuell – das desinfizieren vom Mundschutz.“

Kann man mit Plasma auch Lebensmittel desinfizieren?

„Diese Technologie funktioniert gut, auch bei Lebensmitteln. Jetzt forschen wir an Pommes Frites: Die Kartoffeln werden in einer Fabrik zu Pommes Frites verarbeitet und in Tüten an den Imbiss geliefert. Wir prüfen, ob wir die Haltbarkeit dieser Pommes Frites durch eine Plasmabehandlung verlängern können. Das spart Transport- und Lagerkosten und vermeidet Lebensmittelverschwendung. Wir schauen uns auch die Verarbeitung von Käse an. Käse reift oft monatelang in einem Lagerhaus, wodurch sich Schimmel auf der Rinde bilden kann. An der Kruste ist das kein Problem, aber man möchte nicht, dass der Schimmel den Käse infiziert, wenn er zum Beispiel zu geriebenem Käse verarbeitet wird. Plasma kann dabei eine Rolle spielen.“

Warum ist Plasma noch keine 'Mainstream'-Technologie, wenn die Ergebnisse so gut sind?

„Die Gesetze und Vorschriften sind noch nicht so weit, dass wir diese neue Technologie jederzeit nutzen können. Die Nachfrage nach sauberen, sicheren und nachhaltigen Lebensmitteln steigt und Plasma ist eine mögliche Lösung, die dazu beitragen kann. Aber bei Lebensmitteln steht natürlich die Sicherheit an erster Stelle, also liegt es an uns zu beweisen, dass diese Technologie wirklich funktioniert und sicher ist. Das kostet Zeit und Geld. Wir bilden jetzt eine Koalition mit allen möglichen Akteuren, einschließlich Konkurrenten, um dies zu erreichen. Unser Ziel ist es, diese Technologie innerhalb von anderthalb Jahren in der Lebensmittelverarbeitung einsetzen zu können.“

Wie wollen Sie andere inklusive der Politik vom Nutzen des Plasmas überzeugen?

„Als Start-up suchen wir die Zusammenarbeit mit anderen Partnern. Unser Plan ist die Einrichtung eines Plasma Expertise Centers bei Brightlands in Venlo, in dem wir mit Wissenszentren wie der Universität Maastricht, der HAS Hogeschool und der Technischen Universität Eindhoven sowie Interessierten aus der Region, die Plasma einsetzen möchten, zusammenarbeiten wollen. Im Zentrum wollen wir gemeinsam forschen, die Technologie voranbringen und neue Anwendungen entwickeln. Indem wir alle möglichen klugen Köpfe zusammenbringen, können wir den Entwicklungen rund um das Plasma einen großen Schub geben.“

Warum ist diese Entwicklung so wichtig?

„Aktuell überlasten wir unseren Planeten Erde. Wenn wir hier in Zukunft mit 9 Milliarden Menschen leben wollen, müssen wir gemeinsam nach Alternativen suchen, die die (natürliche) Umwelt nicht belasten oder erschöpfen. Mit Plasma wollen wir die Welt nachhaltiger und natürlich ein Stück besser machen.“

 

Dieser Bericht wurde im Rahmen des Agropole-Projekts verfasst. Das Projekt ist Teil des INTERREG-Programms Deutschland-Nederland. Es wird mitfinanziert durch die Europäische Union, die Provinz Limburg und das MWIDE NRW. Ziel des Projekts ist es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Agrobusiness zu fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Branche zu stärken.

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