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Swen Rankers; Foto: Rankers
Unternehmen aus der Grenzregion stellen sich vor

Gartenbaubetrieb Rankers

Die Betriebsstätte des Gartenbaubetriebs Rankers ähnelt von außen den vielen anderen Gartenbaubetrieben, die am Niederrhein so zahlreich angesiedelt sind. Doch die Holztafel an der Hofeinfahrt verrät bereits: Hier werden ganz besondere Produkte angebaut. Unter dem Betriebslogo sind das Logo des Bioverbands „Bioland“ sowie die Logos der Eigenmarken des Familienbetriebs angebracht: „LaBio“ und „LaBionita“. Unter diesen Namen vermarktet Familie Rankers Garten- und Küchenkräuter sowie bio-zertifizierte Weihnachtssterne und Alpenveilchen. 

Alles begann, als Opa Willi 1955 ein kleines Grundstück zwischen zwei bestehenden Gartenbaubetrieben in Straelen bekam. Im Gespräch mit Uwe Bons, Wirtschaftsförderung Straelen, sowie Dr. Anke Schirocki und Kathrin Poetschki von Agrobusiness Niederrhein e.V. erzählt Juniorchef Swen Rankers: „Da hieß es damals ‚Das Stück kann der Willi noch haben‘“. Und so wurden zunächst erfolgreich Schnittblumen produziert. 1995 übernahm sein Vater, Willi Rankers jun., den Betrieb und kaufte noch einen Hektar Land in direkter Nachbarschaft dazu. 2000 wurde die Familie vor eine Herausforderung gestellt. Willi Rankers jun. erkrankte und konnte den Betrieb nicht länger tatkräftig unterstützen. Sein Bruder Norbert zögerte nicht lange und arbeitet seitdem im Familienbetrieb. Mit ihm kamen auch neue Ideen. Norbert Rankers interessierte sich für biologischen Anbau, doch für Bio-Zierpflanzen gab und gibt es kaum einen Markt. Eine andere Strategie musste also her. Die Lösung: Garten- und Küchenkräuter in großer Vielfalt aus biologischem Anbau.

2005 wurde der Betrieb umgestellt. Im gleichen Jahr wurde eine weitere Fläche von knapp zweieinhalb Hektar in der Nachbarschaft hinzugepachtet. Bis zur Zertifizierung durch den Biolandverband mussten unter anderem alle Gewächshäuser penibel gereinigt werden. „So eine Umstellung kostet viel Geld. Manche denken, dass eine Umstellung etwas für Betriebe ist, die finanziell schlecht dastehen, weil sie sich auf dem konventionellen Markt nicht behaupten können. Das ist falsch, denn wer umstellt, muss erst einmal investieren“, berichtet Swen Rankers. 2008 wurde die Marke „LaBio“ ins Leben gerufen. Unter ihrem Namen werden heute circa 120 Sorten Gartenkräuter und 18 Sorten Küchenkräuter, 20 Sorten Topfgemüse vermarktet. „Besonders in den ersten Jahren waren die Marketingkosten enorm“, erinnert sich Swen Rankers.

Die Gartenkräuter generieren den größten Anteil des Unternehmensumsatzes. In der Saison werden nicht selten bis zu 350 Rollcontainer täglich mit frischer Ware bepackt und verladen. Beliefert werden über 300 inhabergeführte Gartencenter in Deutschland. Große Händler wie Landgard und EPS werden teils als Spediteure eingebunden.

Zusätzlich werden die Kräuter seit zwei Jahren über einen Onlineshop vermarktet. „Die wenigsten Gartenbaubetriebe verdienen signifikant über den Onlineshop. Es braucht nicht selten rund zehn Jahre, bis er sich erfolgreich etabliert hat“, weiß Swen Rankers und berichtet weiter: „Corona hat dem Onlineshop eine hohe Umsatzsteigerung eingebracht.“

Arbeit gab es also im Jahr 2020 genug. So konnte selbst die Schwester, die eigentlich in der Personalvermittlung für Messegastronomie tätig ist und aufgrund der Corona Pandemie Zeit hatte, kurzerhand in den Betrieb einsteigen und sich um den Onlineverkauf kümmern. Schwester Danny ist ebenfalls im Büro für den Verkauf zuständig. Mutter Adele übernimmt den Versand und Personalangelegenheiten.

Wo möglich, werden Maschinen eingesetzt, die die Arbeit erleichtern. Viele davon sind eigens entwickelt und gebaut worden: eine Sämaschine, eine Schneidemaschine oder eine Spritze zur Ausbringung von Dünger oder Seifen und Ölen als biologische Pflanzenschutzmaßnahme. Rankers ist es wichtig, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter im Betrieb mit diesen Maschinen umgehen kann. Die Anwendung ist leicht zu erlernen und individuelle Einstellungen für die verschiedenen Kulturen sind in einer angefügten Liste dokumentiert und für jeden nachlesbar.

Ein gutes Netzwerk

Ein Netzwerk aus Gleichgesinnten, die wie Swen Rankers mit viel Engagement, Herzblut und Ideenreichtum den Familienbetrieb in die nächste Generation weitertragen, hilft ihm in seiner Arbeit und bei der Weiterentwicklung des Betriebs. Er gehört zum „Green Circle“, einer Gruppe von Jungunternehmern aus dem Gartenbau, die ihre Produkte über eigene Marken vermarkten. Hier kann er sich nicht nur fachlich austauschen. Zusammen hat diese Gruppe in 2019/2020 einen Onlineshop nach dem Dropshipper-Prinzip gegründet, das heißt, dass Waren verschiedener Betriebe im Onlineshop verkauft werden, ohne sie selber physisch auf Lager zu haben. Gleichzeitig tritt die Gruppe gebündelt auf Facebook und Instagram mit „Dafür Blühen Wir“ auf.

Rankers sieht es als Gewinn, in einer Region mit vielen Gartenbaubetrieben zu liegen, denn viele Dienstleister und Partner wie Bank-, Steuerberater oder Sachbearbeiter beim Bauamt haben häufiger mit Gartenbaubetrieben zu tun und sind daher sachkundig oder bringen zumindest ein Grundverständnis für die Gartenbaubranche mit. „Das hilft ungemein, wenn sich die Leute auskennen und schon mit ähnlichen Fällen zu tun hatten. Dann geht vieles schneller“, schildert der junge Betriebsleiter.

Einige Geschäftspartner kommen aus den Niederlanden, zum Beispiel für Anlagen und allerlei Gartenbaubedarf. Auch die Firma, die die neue Pelletheizung auf dem Betriebsgelände installiert hat, kommt aus den Niederlanden.

Saisongeschäft

„Im Januar fahren wir normalerweise alle gerne in den Skiurlaub, im Februar steigt das Arbeitspensum langsam wieder an und ab März haben wir dann eigentlich kein Leben mehr“, erzählt Rankers mit einem Lächeln. Was er sagen will: Im März beginnt die Hochsaison. Da sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefordert.

Wie viele Gartenbaubetriebe beschäftigt auch Rankers Saisonarbeitskräfte, die teils aus dem europäischen Ausland kommen. Für die Saisonarbeitskräfte gibt es ein Haus und eine Wohnung am Hof. Für die nächste Saison hat Rankers bereits im Herbst 2020 Mobilheime aus den Niederlanden bestellt, die als Quarantänewohnheime für neu angereiste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dienen sollen. „Wir wissen noch nicht, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickeln wird in den nächsten Monaten, aber das ist, was wir an Vorkehrungen treffen können“, so Rankers.

Auszubildende hat Rankers keine. „Wir sind kein klassischer Zierpflanzenbaubetrieb. Wer bei uns arbeitet, lernt viel über Kräuter, aber das ist nichts, was in Berufsschulen intensiv thematisiert und abgefragt wird. Ich könnte meinen Auszubildenden kaum Praxiswissen vermitteln, das die Theorie aus der Schule ergänzt“, erklärt Rankers. Seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht er, sich in gezielten Schulungen weiter fortzubilden und für bestimmte Aufgaben im Betrieb zu qualifizieren.

 

Dieser Bericht wurde im Rahmen des Agropole-Projekts geschrieben. Das Agropole-Projekt wird innerhalb des INTERREG-Programms Deutschland-Niederland durchgeführt und durch die Europäische Union, das MWIDE NRW und die Provinz Limburg gefördert.

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