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Foto: Johannes Rattmann mit seiner Frau Marita, Schwiegertochter Theresa und Sohn Tobias
Unternehmen aus der Grenzregion stellen sich vor

Ferkelaufzucht in ehemaligen Gewächshäusern

Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Rattmann aus Straelen-Holt zeigt, dass Ferkelaufzucht auch in licht- und luftdurchfluteten Ställen möglich ist. Die Stallbaukonstruktionen wurden von den Foliengewächshäusern aus dem Gartenbau abgeguckt – Ein tolles Beispiel für eine branchenübergreifende Innovation. In engem Austausch zu Universitäten und Hochschulen der Region arbeitet die Familie an weiteren Verbesserungen und Innovationen für die Landwirtschaft.

„Wenn du als landwirtschaftlicher Betrieb in der Gartenbaustadt Straelen bestehen willst, dann musst du dir was Neues einfallen lassen,“ das waren die Worte von Peter Rattmann, Vater von Andreas und Johannes Rattmann, als dieser seinen Betrieb an die Söhne übergab. Die beiden Söhne nahmen sich das zu Herzen. Während sich Andreas Rattmann auf den Verkauf und Service rund um Folienhäuser für den Gartenbau und Industrieböden spezialisierte, führte sein Bruder Johannes Rattmann den Familienbetrieb mit Ferkelaufzucht und Ackerbau weiter.

Foto: Rattmann

Foto: Licht- und luftdurchflutete Schweinestelle der Familie Rattmann (Foto: Rattmann) 

Was verbindet Folienhäuser aus der ehemaligen DDR mit dem Gartenbau und der Ferkelaufzucht am Niederrhein?

Als zum Ende der DDR der Gartenbau in Ostdeutschland an Bedeutung verlor, wurden dort viele Gewächshäuser nicht mehr gebraucht. Die Brüder Rattmann ergriffen die Chance und fuhren über 15 Jahre lang regelmäßig in die östlichen Bundesländer, um die Metallkonstruktionen der Folienhäuser abzubauen und mit neuer Eindeckung für ihre Kunden am Niederrhein wieder aufzubauen. Hier erstreckt sich seit Jahrzehnten eine der bedeutendsten Gartenbauregion Europas. Andreas Rattmann gründete eine eigene Firma, die sich auf die Montage und den Service rund um Folienhäuser für den Gartenbau spezialisierte. Ein erfolgreiches Geschäftskonzept, wie sich herausstellte, denn die Konstruktionen überzeugten durch Stabilität und Langlebigkeit.

Die beiden Brüder brachten ihre Expertise aus Gartenbau und Landwirtschaft zusammen. Gemeinsam entstand die Idee, die Metallkonstruktionen der Folienhäuser auch für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen, nämlich für Stallanlagen. Andreas Rattmann baute einige der Folienhäuser so um, dass sie zur Ferkelaufzucht genutzt werden können. So entstanden licht- und luftdurchflutete Ställe, die mittlerweile in Form eines Franchising-Modells auch von anderen Betrieben genutzt werden. Dank einer Einstreu aus Stroh und der Eigenwärme, die in den Tiergruppen entsteht, fühlen sich die Ferkel auch ohne Heizung richtig wohl. Regelmäßiges Nachstreuen von frischem Stroh unterstützt den Wärmeerhalt der Ferkel und erlaubt so auch passende Temperaturen im Stall, wenn es draußen schon friert. „Die Ferkelaufzucht erfordert ein gewisses Händchen und Knowhow. Die Tiere brauchen in den ersten Wochen sehr viel Aufmerksamkeit und optimale Bedingungen“, so Betriebsleiter Rattmann. „Anders als viele denken, ist dazu aber nicht zwingend ein geschlossenes Stallsystem mit Heizung notwendig,“ fügt Rattmann hinzu, „dank der Stroheinstreu und angepasster Ferkelgruppen ist der Betrieb in Sachen Tierwohl den gesetzlichen Anforderungen einen Schritt voraus.“

Andere Landwirte können sich diesem Geschäftsmodell anschließen und die Bauweise der unisolierten Schweineställe übernehmen. Die Firma Rattmann unterstützt in dem Fall beim Einreichen der Bauanträge und dem gesamten Genehmigungsverfahren: „Ein Bauantrag für einen Schweinestall ist weitaus komplizierter als ein Bauantrag für ein Gewächshaus. Da spielen Emissionen und Nährstoffbilanzen eine wichtige Rolle. Es ist für alle günstiger und leichter, wenn wir unser Knowhow anbieten, um den Franchise-Partnern hier den Einstieg zu erleichtern.“ Der Einkauf von Ferkeln und Stroh sowie der Verkauf an nachfolgende Mastbetriebe läuft ebenfalls zentral über den Betrieb der Familie Rattmann. So werden kostenintensive Betriebsbereiche und logistischer Aufwand gebündelt und auf möglichst eine höhere Zahl an Ferkeln umgelegt. Das macht das System finanziell tragbar. „Wenn sich jeder Betrieb individuell um den Einkauf und die Logistik und Lagerung rund um das benötigte Stroh zur Einstreu kümmern müsste, würde das zu wesentlichen Mehrkosten führen. Durch die zentrale Organisation über unseren Betrieb nehmen wir eine arbeits- und kostenintensive Last von den Schultern der einzelnen Aufzuchtbetriebe.“

Schweine zukünftig auch unter freiem Himmel

Wenn es um das Thema Innovation und Fortschritt geht, gehen der Familie Rattmann weder Ideen noch Ehrgeiz aus. Seit einiger Zeit arbeiten sie an einem Stallkonzept, das gleichzeitig geschlossen ist und doch einen Auslauf unter freiem Himmel ermöglicht. Mithilfe einer speziellen Dachkonstruktion soll, wie bei einem Cabrio, ein flexibler Offenstall ermöglicht werden. Für solche und weitere Ideen zur Optimierung seines landwirtschaftlichen Betriebes arbeitet Rattmann regelmäßig mit Universitäten und Hochschulen zusammen. Auch Kooperationen mit niederländischen Unternehmen und Institutionen empfindet er als konstruktiv und hilfreich. Nicht zuletzt ist auch der branchenübergreifende Austausch unter den beiden Brüdern, in dem Erfahrungen aus Gartenbau und Landwirtschaft vereint werden, inspirierend und eine fruchtbare Quelle für Ideen zur Verbesserung des eigenen Betriebes – wie das Beispiel der Stallanlagen zeigt, die nach dem Vorbild der Foliengewächshäuser gebaut wurden.

 

 

Dieser Bericht wurde im Rahmen des Agropole-Projekts geschrieben. Das Agropole-Projekt wird innerhalb des INTERREG-Programms Deutschland-Niederland durchgeführt und durch die Europäische Union, das MWIDE NRW und die Provinz Limburg gefördert.

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